ALTERNATIVE VOLLVERSAMMLUNG IM #AUDIMAX WIEN

Das hat ja kaum zwei Stunden gedauert um so gut wie die gesamte Besetzungsinfrastruktur, von Livestream bis Volksküche, im #Audimax der Universität zu installieren. Ich saß zu Hause auf der Couch, war gedanklich schon im Bett als ich über Twitter (danke an @porrporr – das Taxi hat sich wirklich ausgezahlt) von der Besetzung des Hörsaals 7 bzw. später der des #Audimax erfuhr.

Nach einer abenteuerlichen Fahrt im SUV- Taxi (Taxler zu Protesten: …gehören alle gesperrt…) kam ich im (Voll-) Besetzten #Audimax an. Dort war alles beim Alten, Diskussionen ob diskutiert werden soll, Wortmeldungen,  Applaus, Party. Ich fühlte mich sofort wie berauscht von der in Ottakringergelb getauchten Mischung aus Chaos, Protest und Feiern und berauschte mich mit von freundlichen Herren aus dem Karton verkauften Dosenbier.

Ob diese Aktion in irgendeiner Weise für die Bewegung #unibrennt richtig oder sinnvoll war? Für mich zu diesem Zeitpunkt egal. Präsenz in allen ORF Nachrichtensendungen und ein Zib24 Live-einstieg (zumindest aus dem Hof) waren sicher ein kräftiges Lebenszeichen. Verdient hat sich #unibrennt den gestrigen Abend aber auf alle Fälle.

Fotos aus dem #Audimax:

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UNIVERSITÄTS-VOLLVERSAMMLUNG UND DEMO IN WIEN

Nach der großartigen Schülerdemo am Vormittag hatte ich zugegeben Sorge, und damit war ich nicht alleine, ob die Demonstration nach der UVV am Nachmittag diese toppen könnte. Meine Sorge war unbegründet. Die Demonstration nach der Vollversammlung im Juridicum, an der sich auch verschiedenste andere Universitäten Wiens (Boku, Tu, Angewandte…) beteiligten war ein überwältigender Erfolg und die tatsächliche Anzahl der Teilnehmer wohl eher bei den von den von der ÖH kolportierten 15000 als den, meines Erachtens weit unterschätzten, 7000 der Polizei, angesiedelt. Diese war auch sonst äußerst zurückhaltend, einzig die Securitys der Uni- Wien sollen im Juridicum , wie über twitter gemeldet, alle Hände voll zu tun gehabt haben die Massen vor der Tür, die beim besten Willen keinen Platz mehr im viel zu klein bemessenen HS 10 gehabt hätten, am herein drängen gehindert zu haben.

Dort, im Inneren des Hörsaals, gab es viel Zeit für lange Statements von Vertretern der Universität und  wenig Zeit für kurze, unbeantwortete Fragen der Studierenden. Nach mehr als eineinhalb Stunden , am Ende dieser „Vollversammlung“ trafen sich die Demonstrationszüge von TU, Uni Wien, der Boku und der Anderen Universitäten vor dem Parlament um von dort über den Ring (entgegengesetzte Richtung) und den Heldenplatz zur Abschlusskundgebung zu gelangen.

Die Fotos Dazu gibt es hier:

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ÜBER ZIELGERICHTETE PROPAGANDA

Die Wahl ist geschlagen, das Ergebnis zwar erschreckend, beängstigend und das breite Grinsen in der Visage des Gewinners lässt erahnen mit welch stolzgeschwellter Brust man sich auf Seiten der freiheitlichen in nächster Zeit, wo auch immer eine Kamera bereitsteht, präsentieren wird, aber die ersten Pro-Rot-Grün Fanseiten im Facebook freuen sich bereits über regen Zulauf und von Onlinemedien geschaltete „Umfragen“ deuten klar auf die allgemeine Präferenz zu Rot-Grün hin. Schöne fünf Jahre scheinen in Wien vor uns zu liegen, bis sich Strache im nächsten Wahlkampf wieder ganz als Retter Wiens geben wird. Was dann? Blau-Schwarz? Manch einer ist nun in der Versuchung die schüsselse Phantasie des „Entzauberns“ für Wien aufzugreifen. Wenn die einmal machen müssten anstatt nur laut zu kläffen würden sie schnell daran scheitern. Sicher, wenn es der FPÖ nur jemals darum gegangen wäre Regierungsverantwortung zu übernehmen geschweige denn diese über längere Zeit aufrecht zu halten. Es geht ihr viel mehr darum ihre fragwürdigen Gestalten aus Vapo-Dunstkreis oder schlagenden Burschenschaften in mehr oder weniger einflussreiche Positionen zu hieven. Wie es, um fair zu bleiben, Parteien nun einmal machen. Die FPÖ verfügt halt über ein besonderes Personal, welches im übrigen dem vor der Angst vorm bösen Ausländer zitternden Floridsdorfer Regalbetreuer oder dem hart arbeitenden und stolzen jungen Serben ähnlich nahe steht wie Marie Antoinette ihren hungernden Untertanen. Fassungslos macht es nur wie diese es immer wieder schaffen, wie selbstverständlich und ohne wirklich großen Widerstand auf den ihnen zugetragenen Positionen schalten und walten zu können oder sogar im öffentlichen Fernsehen Gelegenheit bekommen ihr innerstes nach außen zu kehren.

Wenn Lothar Höbelt etwa in der #zib24 herleitet, die Propaganda Adolf Hitlers wäre zielgerichtet auf die damaligen Probleme gewesen, kann man nur hoffen, er, als außerordentlicher Professor an der Universität Wien, wisse nicht was er da daherredet. Ansonsten wäre zu befürchten er halte diejenigen gegen die eben diese Propaganda hauptsächlich gerichtet war, nämlich die jüdische Bevölkerung, für „die Probleme“ der damaligen Zeit und die Hetze gegen sie schon irgendwie für gerechtfertigt, nur halt vielleicht mit den falschen mitteln, und so. Aber da habe ich ihn sicher falsch verstanden. In Deutschland haben Talkshowgäste wegen irgendwelchem „Autobahn- Blödsinn“ schon mal ihren Job verloren. In Österreich, im Wien der 27%, kann man sich offenbar als „außerordentlicher Universitätsprofessor“ jeden „unüberlegten“, tief braunen Sager leisten und wird sicher auch in Zukunft in Nachrichtensendungen des österreichischen Rundfunks geladen und nicht wie bei Kerner aus dem Studio verjagt.

http://unsereuni.at/

http://www.vollversammlung.at/

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DAS NEUE SEMESTER

Heute erste Vorlesung im neuen Semester: The same procedure as every year: Erst einmal gut zwanzig Minuten für den Schichtwechsel, Stehen und Schwitzen im Eingangsbereich begleitet von Tür-auf-Tür-zu Lärm der sich erst mit einsetzen des Baulärms im Nebengang etwas verringert. Ein längerer sarkastischer Kommentar des Vortragenden darauf wie scheiße eigentlich alles ist- man selbst aber nichts tun kann weil man noch nie etwas mitzureden hatte, so wie auch niemand anderes der Anwesenden scheint mitreden zu dürfen, und so heißt es zu ertragen bis der erlösende Hinweis auf Reader und Skript eine Welle der Flucht auslöst der man zur Halbzeit der Vorlesung nicht mehr im Wege stehen will und den Raum in Richtung frischer Herbstluft verlässt.

Eines fällt aber jetzt schon auf: der Unmut und Zorn unter den Kolleginnen. Noch eher subtil, unter vorgehaltener Hand, aber doch deutlich spürbar, als würde die Erkenntnis, dass sich wieder nichts zum besseren verändert habe, in kurzer Zeit zu einem Verlangen, etwas sich zu verändern zwingen zu wollen, heranreifen. #unibrennt

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DEMO: ACHTUNG KRÖTENWANDERUNG!

Eine sehr nette Sache. Der Treffpunkt war, erfrischend unüblich,vor dem Haus des Meeres am Fritz-Grünbaum-Platz im Sechsten. Als ich etwas verspätet dort hin kam war es schon recht gut gefüllt, laut und bunt. Langsam und träge, wie eben eine Krötenwanderung, setzte sich der Demozug über die Barnabitengasse in Richtung Mariahilferstraße in Bewegung, blieb immer wieder stehen um laut zu quaken und erreichte gegen halb acht die Akademie der bildenden Künste vor deren Toren die Abschlusskundgebung stattfand.

Meine Fotos zur Krötenwanderung finden Sie hier…

AN DER WAFFEL?

Eine Handvoll Seifenblasender junger Leute im für die aktuelle Wettersituation typisch verregneten bzw. sonnigen Arkadenhof der Universität Wien, umgeben von wie immer sehr beschäftigten Studierenden auf dem weg von der Vorlesung zur Vorlesung, beobachtet von wenigen Securitys.

Seifenblasen
Seifenblasen

Ich war schon wieder fast am Gehen als ich über Twitter dann doch noch in den Plan, das #Audimax mit einem sogenannten Flashmob zu beehren, eingeweiht wurde. Auf dem Weg dorthin machten sich dann neben mir auch ein Kamerateam vom ORF, Fotografen, der Livestream sowie zahlreiche Aktivisten und alle sammelten sich am Gang vor dem #Audimax und warteten artig auf das Ende der gerade im Saal stattfindenden Vorlesung um sich unmittelbar danach unter die teilweise verbleibenden, teilweise zur anschließenden Lehrveranstaltung drängenden Kolleginnen zu mischen.

Statt einer regulären Publizistikvorlesung gab es dann tatsächlich einen Flashmob im #Audimax unter dem Motto: „Habt ihr einen an der Waffel?“ Neben den Seifenblasen, die von den Studierenden kreuz und quer durch den größten Hörsaal der Universität Wien geblasen wurden- um das Zerplatzen der Versprechen der zuständigen Politiker zu symbolisieren- wurden, passend zum Thema, Waffeln mit Zucker und Schokoladensauce direkt vor der Bühne gebacken. Bis etwa 17 Uhr wurde gemeinsam mit Hr. Prof. Hausjell, der seine Vorlesung spontan der Bildungsbewegung zur Verfügung stellte, über Sparpläne, Zugangsbeschränkungen und Perspektiven der Bildungsbewegung diskutiert.

Für mich war es, obwohl der Großteil der Besucher der eigentlich stattfindenden Vorlesung den Saal nach recht kurzer Zeit verließen, eine schöne Aktion, die ohne Polizei- oder Security Einsatz Aufsehen auf die Anliegen der Bildungsbewegung lenken konnte.

Meine Fotos  dazu: hier

Die Fotos von Kollegen Martin Juen: hier

Die Privatsphäre von Polizeibeamten

Polizei im alten AKHIch mache mir ja zur Zeit einen Namen- zumindest bei der Polizei. Heute Abend wurde ich zum zweiten Mal innerhalb weniger Wochen wegen Fotografieren bei einer öffentlichen Versammlung perlustriert. Nein, nicht in Teheran sondern in Wien und zwar im Rahmen von #unibrennt.

Als wie gefährlich demonstrierende Studierende im Moment unter den Verantwortlichen gelten müssen konnte man nach der gestrigen Demonstration und den anschließenden Blockadeaktionen auch an der heute stattfindenden Demonstration gegen Polizeigewalt sehen. Für das Erschießen eines Jugendlichen Einbrechers bekommt man 8 Monate auf Bewährung, für das Demonstrieren gegen dieses Urteil eine Hundertschaft Polizeibeamte in schwerer Montur. Die Demonstration, an der sich an die hundert Teilnehmer des dieses Wochenende stattfindenden Bologna- Gegengipfels beteiligten, stand bereits eine Stunde vor Beginn unter genauer Beobachtung der Polizei, die sich mit einem Fahrzeug an dem eine Videokamera montiert war am Campuseingang in der Spitalgasse positionierte- so spontan wie etwas sein kann das stunden zuvor über twitter.com verkündet wird. Schon kurz nachdem sich der Demonstrationszug, erst etwas zögerlich, vom Hörsaalkomplex C1 in Richtung Alser Straße in Bewegung setzte befand er sich in einer Art wandelndem Polizeikessel, der die Demonstration eng umschloss und erfolgreich daran hinderte, wie im Vorhinein angedacht war, über den Ring und den ersten Bezirk zu marschieren. Der Unmut der Studierenden wurde dann noch weiter geschürt, als es die Polizei für notwendig erhielt die, bis auf zwei oder drei Schweizerkracherexplosionen am beginn der Kundgebung, vollkommen friedlichen Teilnehmer, bis weit in das Universitätsgelände hinein zu eskortieren. Einer der Beamten, der es schaffte sich in nahezu jedes von mir gemachtes Foto zu drängen, fühlte sich dadurch offenbar derart belästigt, dass er mich plötzlich unsanft zur Seite zog und meinen Ausweis verlangte. Dies begründete er mit der Wahrung seiner Privatsphäre. Die Frage ob er denn der Meinung sei es würde sich hier um eine Privatveranstaltung handeln und ob er meine Personalien als Privatperson oder als Polizeibeamter haben möchte konnte ich mit großer Anstrengung hinunterschlucken, und so tauschten wir Adresse und Dienstnummer aus, bevor das Kommando offenbar den Rückzugsbefehl erhielt und von einer lautstarken Menge demonstrierender zum Ausgang begleitet wurde.

http://www.flickr.com/photos/daniel-weber/